Katechismus der Krise der Bruderschaft

Katechismus der Krise der Bruderschaft


Von einem Priester des französischen Distrikts der FSSPX 



1) Gab es denn wirklich eine Krise?

Ja. Mgr Fellay spricht von einer „großen Prüfung der Bruderschaft“, einer „schweren Prüfung“ (Ecône, 7-9-2012), einer „schmerzlichen Prüfung“ mit „ernsthaften Problemen“ (Cor unum, Nov. 2012), „der größten, die wir jemals erlebt haben.“ (Ecône, 1-11-2012)


2) Warum soll man von diesen Problemen öffentlich reden ?

Aus dem einfachen Grund, weil man „niemals sagen darf, daß diese theologischen Diskussionen Sache der Fachleute sind und uns nichts angehen. Wir müssen unbedingt beweisen, daß genau das Gegenteil der Fall ist: Da diese Fragen den Glauben betreffen, gehen sie uns alle, Priester wie Laien, ganz besonders an. Wir müssen uns daher bemühen, zu verstehen und anderen klarzumachen, was dabei auf dem Spiel steht.“ (Pater de Cacqueray [frz. Distriktoberer], Suresnes, 31-12-2008)


3) Warum soll man diese Probleme in Form eines Katechismus behandeln?

Weil, wie Mr Fellay sagte, „die katholische Kirche, die sich bewußt ist, daß es für die Seelen lebensnotwendig ist, daß man ihnen, gelegen oder ungelegen, die Glaubenswahrheiten predigt, immer darauf bedacht war, ihren Kindern die Lehre der ewigen Wahrheiten zugänglich zu machen... Mögen die Seiten dieses Katechismus die Seelen, die guten Willens sind, erleuchten...“ (Vorwort zum Katechismus der christlichen Doktrin)


4) Worin bestand die Krise der Bruderschaft?

„Die Autorität wurde angefochten, radikal angefochten, denn man warf ihr vor, die Bruderschaft nicht mehr zu ihrem Ziel zu führen. (Mgr Fellay in Cor unum, Nov. 2012)


5) Aber wurde diese Krise denn nicht seit dem Kapitel vom Juli 2012 überwunden?

Nein. „Man mißtraut der Autorität.“ (Ecône, 7-9-2012)


6) Warum wurde sie nicht überwunden?

Aus folgendem Grund, wie Mgr Fellay selbst zugab: „Ich bin mir bewußt, daß das nicht von einem Tag zum anderen machbar ist und daß es keinen Sinn hat, zu sagen 'Haben Sie Vertrauen.' Nach den Ereignissen kann durch entsprechende Schritte das Vertrauen nach und nach wiederhergestellt werden.“ (Ecône, 7- 9-2012)


7) Gab es seither keine gezielten Maßnahmen seitens Menzingen?

Doch, selbstverständlich! Den Ausschluß Mgr Williamsons.


8) Aber kann man daraus schon schließen, daß die Krise andauert? Man müßte beweisen, daß, abgesehen von den disziplinären Schwächen, Menzingen in seinem lehrmäßigen Irrtum verharrt.

Das ist genau das, was wir beabsichtigen: zu erklären, wodurch und warum Menzingen weiterhin auf dem falschen Weg bleibt.


9) Warum sollte Menzingen auf dem falschen Weg bleiben?

Weil die Oberen der Bruderschaft sich weigern, die von ihnen hervorgerufene Doppeldeutigkeit zurückzunehmen


10) Worin besteht diese Doppeldeutigkeit?

Sie betrifft den Betrug durch zwei von Benedikt XVI. vollzogene Schritte, die der Bruderschaft einen ausschließlich materiellen Vorteil verschaffen, die Mgr Fellay aber so darstellt, als gereichten sie der Bruderschaft formal zum Vorteil.


11) Was bedeuten diese unverständlichen Wörter?

Wenn Sie über Zement, Sand und Kies verfügen, haben Sie praktisch(materiell) gesehen ein Haus, aber nicht tatsächlich (formal). Zwischen beidem besteht ein gewaltiger Unterschied. 


12) Welches ist der erste von Benedikt XVI. vollzogene fragwürdige Schritt?

Es ist das Motu Proprio Benedikts XVI. über die Verwendung der vor der Reform von 1970 gebräuchlichen römischen Liturgie. Mgr Fellay behauptet, daß „ Papst Benedikt XVI. durch das Motu ProprioSummorum Pontificum die tridentinische Messe wieder in ihre Rechte eingesetzt habe, indem er ausdrücklich feststellte, daß das vom hl. Pius V. promulgierte Missale Romanum nie außer Kraft gesetzt worden war.“ (Menzingen, 7-7-2007)


13) Worin besteht die Doppeldeutigkeit?

Das Motu Proprio besagt in Wirklichkeit, daß die traditionelle Messe nie als außerordentliche Form außer Kraft gesetzt worden war, sehr wohl aber als ordentliche Form. Durch diesen Schritt nimmt Benedikt XVI. dem römischen Ritus der Heiligen Messe de jure seine Stellung als einzige ordentliche und offizielle Form und verweist ihn auf den Platz einer „außerordentlichen Form“, nachdem er ihn durch den Vergleich der Heiligkeit dieses Ritus mit dem „Bastard-Ritus“ erniedrigt hat. Trotz dieser Fakten gibt es kein offizielles Dokument von Menzingen, das dieses liturgische Konkubinat verurteilt.


14) Aber das ist Ihre Sicht der Dinge.

Nein, das sieht auch Pater de Cacqueray in seinem Brief an die Freunde und Wohltäter 2009 so. Das Motu Proprio, so sagt er, „entsprach“ nur „in seiner Materialitätder ersten von der Bruderschaft gestellten Vorbedingung.“ (Suresnes, 31-12-2008)

Außerdem hatte uns Mgr Lefebvre, nachdem er seinen Irrtum anläßlich des Abkommens mit Rom im Mai 1988 erkannt hatte, nach den Bischofsweihen ausdrücklich gewarnt: „Sie sehen ja, daß er uns in die Konzilskirche zurückführen wollte...sie wollen uns diese Neuerungen aufzwingen, um der Tradition ein Ende zu bereiten. Sie gewähren etwas nicht deshalb, weil sie die traditionelle Liturgie schätzen, sondern weil sie jene täuschen wollen, denen sie es gewähren, weil sie unseren Widerstand schwächen wollen, weil sie eine Bresche in den Block der Tradition schlagen wollen, um ihn zu vernichten. Das ist ihre Politik, ihre Taktik...“ (Ecône, 9- 9-1988)


15) Was hätte Mgr Fellay demnach antworten müssen?

Das, was die Bruderschaft seinerzeit auf ein ähnliches Vorgehen Roms geantwortet hatte (Indult vom 3-10-1984). Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. wies darauf hin, daß dieser Indult für „die Metaphysik des Rechts todbringend“ wäre. Es könne sich da nur um ein „ad- hominem-Argument“ handeln, denn „seine Bedingungen sind inakzeptabel“. Ein „Katholik, der etwas für die Kirche empfindet, kann den Indult nicht als wahre Antwort auf sein Ersuchen betrachten.“ (Cor unum, Juni 1985)


16) So wurde also, streng genommen, die erste Vorbedingung der Bruderschaft nicht erfüllt?

In der Tat war in der Erklärung des Kapitels von 2006 von der „Notwendigkeit zweier Vorbedingungen“ beim „Austausch mit Rom“ die Rede. Ein Vermerk erinnerte an die erste dieser Bedingungen: „Vollständige und bedingungslose Freigabe der tridentinischen Messe.“ Dabei war die Freigabe der Messe, abgesehen von dem bereits erwähnten Betrug, nicht bedingungslos. Artikel 2 des Motu Proprioerteilte die Freigabe ohne „irgendeine Genehmigung, weder vom Apostolischen Stuhl noch vom Ortsbischof“ nur für die „ohne Anwesenheit von Gläubigen zelebrierten Messen“.


17) Man hätte also den Kontakt mit Rom nicht fortführen dürfen?

Ja, wenn man den vom Kapitel von 2006 erstellten Plan eingehalten hätte. Mgr Fellay tat jedoch das Gegenteil, denn, nachdem er auf „die hegelianische Sichtweise Benedikts XVI., laut der die notwendige Änderung keinen Bruch mit der Vergangenheit darstellen darf“ hingewiesen hatte, schrieb er: „ Da wir im Verhältnis zu Rom nicht genau wissen, wie und wann die Dinge sich weiterentwickeln, ziehen wir es vor, die Grundlage für die Gespräche von einer ad hoc-Gruppe
vorbereiten zu lassen, um keine (unangenehme) Überraschung zu erleben, falls wir überrascht werden sollten.“ (Cor unum, 16-7-2007) 

18) Welches ist der zweite von Benedikt XVI. vollzogene fragwürdige Schritt?

Es handelt sich um das Drekret der Aufhebung der Exkommunikationlatae sententiae der Bischöfe der Bruderschaft (21-1-2009), das ebenfalls nicht der zweiten vom Kapitel von 2006 gestellten Vorbedingung entsprach, nämlich „Zurücknahme des Dekretes der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruderschaft“.

Denn, wie im Jahr 1988 „ist für Rom das Ziel der Unterhandlungen die Wiederversöhnung, wie Kardinal Gagnon erklärt, das heißt die Rückkehr des verirrten Schafes in den Schafstall. Wenn wir an die Geschichte der Beziehungen Roms zu den Traditionalisten von 1965 bis zu unseren Tagen denken, müssen wir feststellen, daß hier eine unentwegte und grausame Verfolgung vorliegt, um uns zur Unterwerfung unter das Konzil zu zwingen. Das gegenwärtige konziliare und modernistische Rom wird nie die Existenz eines kraftvollen Zweiges der katholischen Kirche dulden können, der ihm durch seine Vitalität zum lebendigen Vorwurf wird.“ (Mgr Lefebvre, Ecône, 19-6- 1988)


19) „Rücknahme“ oder „Aufhebung“, ist das denn so wichtig?

Die Bruderschaft lehnt es ab, eine „Aufhebung der Sanktionen“ zu fordern. Sie versucht, die „Rücknahme des Dekrets der Exkommunikation“ zu erreichen, und jedermann kann feststellen, daß sie die Begriffe beim Einreichen ihres Gesuchs mit voller Absicht verwendet hat. Ihre Überzeugung, daß die Sanktionen nichtig sind, soll klar zum Ausdruck kommen.“ (Pater de Cacqueray, Suresnes, 31-12-2008)


20) Aber das Resultat liegt vor, und es ist trotz allem positiv!

„Falls es sich wirklich um die Rücknahme des Dekrets handelt und nicht um eine Aufhebung der Exkommunikation, dann wird das der Beginn der Wiedergutmachung des unerhörten Unrechts sein und wir können uns darüber freuen. Falls es sich hingegen um eine „Aufhebung der Exkommunikationen“ handeln sollte, dann lägen die Dinge ganz anders. Das entspräche nicht unserer zweiten Vorbedingung und würde das über unsere Bischöfe gefällte ungerechte Urteil keineswegs aufheben. Wollte man uns weismachen, daß die verhängten Strafen nicht null und nichtig, sondern vielleicht sogar verdient waren, wäre das dann nicht, in einem gewissen Sinn zumindest, ein neues schlimmeres Übel? Rom hätte dann unter dem Anschein der Barmherzigkeit die Strafen aufgehoben und durch den gleichen Akt ihre Gültigkeit bestätigt, ja sogar, daß sie rechtmäßig verhängt worden waren.“ (Pater de Cacqueray, Suresnes, 31-12-2008)

21) Wie hat Mgr Fellay in der Öffentlichkeit auf die Aufhebung der Exkommunikation reagiert?

Er hat „dem Heiligen Vater [seine] kindliche Dankbarkeit [ausgedrückt] für diesen Akt, der außer für die Priesterbruderschaft St. Pius X. ein Segen für die ganze Kirche sein wird... Wir empfinden Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Vater und all jenen, die ihm behilflich waren, diesen mutigen Schritt zu vollziehen und wir freuen uns, daß das Dekret vom 21. Januar Gespräche mit dem Heiligen Stuhl als 'notwendig' in Erwägung zieht... In dieser neuen Atmosphäre hegen wir die feste Hoffnung, daß es bald zu einer Anerkennung der Rechte der katholischen Tradition kommt.“ (Menzingen, 24-1-2009)


22) Wurde dieses Communiqué seinerzeit angefochten?

Ja; anläßlich eines Prioren-Treffens hat einer von ihnen darauf hingewiesen, daß dieses Communiqué irreführend sei, daß es die Gläubigen täusche und man die Sache klarstellen müsse.
Er bediente sich eines Beispiels: „Wenn ich einen Birnenkuchen bestelle und man liefert mir einen Apfelkuchen, dann habe ich nicht das Recht zu sagen, ich hätte bekommen, was ich verlangt habe.“


23) Hat Mgr Fellay seine Stellungnahme öffentlich berichtigt?

Nein. Der Prior wurde im darauffolgenden Jahr auf eine Kaplanstelle versetzt. Zuvor hatte Mgr Fellay im internen Mitteilungsblatt der Bruderschaft folgendes geschrieben: „Im gleichen Moment, als ich dem Kardinal den Strauß [der Rosenkränze] für Papst Benedikt XVI. überreichte, übergab er mir das auf den 21. Januar datierte und von Kardinal Ré unterzeichnete Dekret. Man kommt nicht umhin, darin die Mitwirkung der Muttergottes zu sehen. Ich muß Ihnen gestehen, daß mich das immer noch sprachlos macht. Das übertrifft menschliches Erwarten, auch wenn im Dekret von der Aufhebung der Exkommunikation die Rede ist und nicht von der Annullierung des Dekrets von 1988, auch wenn im Text die Sache so dargestellt wird, daß der Heilige Stuhl sein Gesicht nicht verliert. Das Wesentliche besteht darin, daß die Exkommunikation – die wir immer bestritten haben – nicht mehr besteht und daß die von uns empfohlene Verfahrensweise bei Grundsatzgesprächen (Doktrin, Glaube etc.) als notwendig erachtet wird. Unter den gegebenen Umständen scheint es mir illusorisch, von den offiziellen Autoritäten mehr zu erwarten.“ (Cor unum, 8-2-2009)


24) Ist das denn nicht das Wesentliche?

Nein, denn „das Wesentliche besteht darin, daß die Exkommunikation nicht mehr besteht“ heißt, daß man sich mit einer faktischenRegelung begnügt, obwohl man eine formelle gefordert hatte.


25) Mgr Fellay sah also, trotz dieser „auch wenn“, die zweite Vorbedingung als erfüllt an?

Ja. Er wollte nicht nur die Gespräche mit Rom in Gang bringen, sondern er sprach auch bereits von einer „kanonischen Regelung, sobald sie möglich ist“ , wobei „wir zwangsläufig eine Reihe von Schutzmaßnahmen, wie sie Mgr Lefebvre in so kluger Weise vorgesehen hat, benötigen werden sowie auf höchster Ebene eine Kommission zur Verteidigung der Tradition in Rom.“ (Cor unum, 8-2-2012)


26) Man wollte also auf falscher Grundlage mit den römischen Gesprächen beginnen. 

Genau, denn „wir haben nicht die gleiche Auffassung von der Wiederversöhnung. Kardinal Ratzinger sieht sie in dem Sinne, daß er uns unterwerfen und zur Anerkennung des II. Vatikanums bringen will. Wir sehen sie als eine Rückkehr Roms zur Tradition. Wir verstehen uns nicht; wir reden aneinander vorbei.“ (Mgr Lefebvre, Fideliter Sept.-Okt. 1988) 


27) Die Zeiten Johannes Pauls II. sind doch vorbei. 

„Ist die Auffassung Benedikts XVI. denn besser als die Johannes Pauls II.? Man braucht nur die Studie La Foi au Péril de la Raison [wörtlich: Der durch die Vernunft gefährdete Glaube] zu lesen, die einer von uns dreien geschrieben hat, um festzustellen, daß das Denken des jetzigen Papstes ebenfalls vom Subjektivismus durchdrungen ist. Die ganze subjektive Phantasie des Menschen ersetzt die objektive Realität Gottes. Die ganze katholische Religion ordnet sich der modernen Welt unter.“ (Mgrs Williamson, Tissier de Mallerais, de Galarreta, 7-4-2012) 


28) Aber wenn auch die Vorbedingungen, aus der Sicht der Medien und psychologisch betrachtet, nicht im strengen Sinn erfüllt wurden, so hat sich doch gezeigt, daß Benedikt XVI. der Bruderschaft und ihrer Doktrin wirklich wohlgesonnen ist. 

„Als Subjektivist mag er es sein, weil die subjektivistischen Liberalen selbst die Wahrheit tolerieren können, jedoch nicht, wenn diese sich weigert, den Irrtum zu tolerieren. Er würde uns im Rahmen des relativistischen und dialektischen Pluralismus anerkennen, vorausgesetzt, daß wir in 'voller Gemeinschaft' mit der Autorität und den anderen 'kirchlichen Gegebenheiten' bleiben. Deshalb würde ein rein praktisches Abkommen zwangsläufig jede Kritik der Bruderschaft am Konzil oder an der neuen Messe zum Schweigen bringen. Wenn sie aufhörte, diese wichtigsten Siege der Revolution anzugreifen, würde die arme Bruderschaft zwangsläufig aufhören, dem allgemeinen Glaubensabfall unserer beklagenswerten Epoche entgegenzuwirken und sie würde selbst darin versinken.“ (Mgrs Williamson, Tissier de Mallerais, de Galarreta, 7-4-2012) 


29) Aber wenn Rom uns zu Gesprächen auffordert, eilen wir hin, nicht wahr? 

Nein! Wir eilen nicht hin: „Vor einer eventuellen Wiederaufnahme der Gespräche mit Rom werde ich meine Bedingungen stellen“ (Mgr Lefebvre, Fideliter, Sept.-Okt. 1988). Wohlgemerkt werden diese Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Gespräche gestellt, nicht für den Abschluß eines Abkommens! 


30) Welches waren diese Bedingungen, die Mgr Lefebvre in seiner weisen Art für eine eventuelle Wiederaufnahme der Gespräche mit Rom vorsah?

„Dann werde ich die Bedingungen stellen. Eine Situation wie bei den damaligen Gesprächen werde ich nicht mehr hinnehmen. Das ist vorbei! Ich werde die Frage auf lehrmäßiger Ebene stellen: 
'Sind Sie einverstanden mit den großen Enzykliken aller Ihrer päpstlichen Vorgänger? Sind Sie einverstanden mit Quanta Cura von Pius IX., mit Immortale Dei und Libertas von Leo XIII., mit Pascendi von Pius X., mit Quas Primas von Pius XI. und mit Humani generis von Pius XII.? Stimmen Sie mit diesen Päpsten und ihren Aussagen vollkommen überein? Billigen Sie den Antimodernisteneid noch? Treten Sie für das soziale Königtum Unseres Herrn Jesus Christus ein? Wenn Sie die Lehre Ihrer Vorgänger nicht annehmen, hat es keinen Sinn, miteinander zu reden. Solange Sie nicht bereit sind, das Konzil unter Bezug auf die Lehre Ihrer päpstlichen Vorgänger zu reformieren, ist ein Dialog weder möglich noch nützlich.' Die Standpunkte wären auf diese Weise klarer.“ (Mgr Lefebvre, Fideliter Sept.-Okt. 1988) 
Man hat geglaubt, man sei stärker als unser Gründer, und heute sind die Dinge nicht klar. 


31) Hat es der Arbeit unserer Theologen an Klarheit gefehlt? 

Überhaupt nicht. „Unsere Experten haben deutlich den Gegensatz zwischen der vorkonziliaren Lehre der Kirche und der Lehre nach dem II.Vatikanum und ihren Folgen nachgewiesen.“ (Mgr Fellay, Cor unum, März 2012) 


32) Was war das Ergebnis dieser Gespräche?

„In den Gesprächen hat sich eine tiefgreifende Uneinigkeit in fast allen angesprochenen Punkten gezeigt.“ (Mgr Felay, Cor unum, März 2012) 


33) Warum dann dieser „Vorschlag der römischen Kongregation, die Bruderschaft durch den rechtlichen Status einer Personalprälatur anzuerkennen, vorausgesetzt, daß sie einen doppelsinnigen Text unterschreibt?“ (Mgr Fellay, Cor unum, März 2012)

Die Gespräche mit Rom haben gezeigt, „daß sie nicht bereit sind, dem II. Vatikanischen Konzil abzuschwören“ und „sie wollen uns dahin zurückführen“; die Rückkehr der Bruderschaft könnte jedoch der Konzilskirche „nützlich sein, um die Erneuerung der Reform mit der Kontinuität zu verbürgen.“ (Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011) 


34) Aber war sich Mgr Fellay dessen bewußt?

Ja. „Man hat uns einen Vorschlag gemacht, mit dem man versuchte, uns in das System der Hermeneutik der Kontinuität einzubinden.“ (Mgr Fellay, Cor unum, März 2012) Und an der gleichen Stelle behauptet er, daß ihn dieser Vorschlag Roms überrascht hätte. 


35) Überrascht oder nicht, was hat er entschieden?

Zunächst die Oberen der Bruderschaft (ausgenommen Mgr Williamson) in Albano zur Beratschlagung zusammenzurufen (Okt. 2011). 


36) Was hat man ihm bei diesem Treffen gesagt?

Die römischenVorschläge sind „konfus, doppeldeutig, falsch und im Wesentlichen schlecht.“ Ihre „doktrinale Präambel“ ist „schlimmer als das Protokoll von 1988, vor allem in Bezug auf das Konzil und das nachkonziliare Lehramt.“ „Angesichts der Umstände ist sicher, daß wir zum Schluß, nach langen Palavern, keinerlei Ergebnis erzielen.“ Wenn wir die Kontakte fortsetzen, wird dies „zwangsläufig unserem Gemeinwohl, der Bruderschaft und der Familie der Tradition schweren Schaden zufügen.“ (Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011)


37) Hat er diese Ratschläge befolgt? 

Nein. 


38) Hat Mgr Fellay demnach schwer gegen die Klugheit verstoßen? 

Ja, aber das war nicht der einzige Fehler. Denn damit hat er gegen den Willen des Kapitels von 2006 verstoßen. So war dies nicht nur entsetzlich unklug, sondern auch ein schwerer Verstoß gegen den Gehorsam. 


39) Inwiefern? 

Im März 2012 schrieb der Generalobere folgendes an alle Mitglieder der Bruderschaft: 
„Die wenigen Maßnahmen, die Benedikt XVI. ad intra bezüglich der Liturgie, der Disziplin und der Moral ergriffen hat, sind demnach wichtig, auch wenn ihre Anwendung noch zu wünschen übrig läßt...Junge Bischöfe zeigen uns offen ihre Sympathie... Vielleicht sind diese Dinge in Rom am deutlichsten wahrnehmbar! Wir haben jetzt in den wichtigsten Dikasterien und auch in der Umgebung des Papstes freundschaftliche Kontakte!“ 

Mgr Fellay möchte teilnehmen an der „Erneuerung der Kirche. Selbst wenn das erneute Auftreten eines 'Julian, der Abtrünnige' nicht auszuschließen ist, glaube ich nicht, daß der Bewegung Einhalt geboten werden kann. Wenn es wahr ist, und davon bin ich überzeugt, dann müssen wir eine Neupositionierung gegenüber der Amtskirche vornehmen. In diesem Zusammenhang müßte die Frage einer Anerkennung der Bruderschaft durch die Amtskirche gestellt werden. Es geht um einen übernatürlichen Blick auf die Kirche und um die Tatsache, daß sie in den Händen Unseres Herrn Jesus Christus bleibt, auch wenn sie von ihren Feinden entstellt worden ist. Unsere neuen Freunde in Rom bekräftigen, daß eine solche Anerkennung eine ungeheuer starke Auswirkung auf die ganze Kirche haben würde, gewissermaßen als Bestätigung der Bedeutung der Tradition für die Kirche. Hingegen erfordert eine konkrete Durchführung zwei absolut notwendige Punkte, um unser Überleben zu sichern: Erstens dürfen von der Bruderschaft keine Konzessionen bezüglich des Glaubens und dem, was sich daraus herleitet (Liturgie, Sakramente, Moral, Disziplin) gefordert werden. Zweitens müssen der Bruderschaft wirkliche Freiheit und Handlungsfreiheit zugestanden werden, die es ihr erlauben, konkret zu leben und sich zu entwickeln. Die konkreten Umstände werden zeigen, wann es an der Zeit ist, auf die Amtskirche 'zuzugehen'. Heute scheint dies trotz der römischen Annäherung vom 14. September aufgrund der damit verbundenen Bedingungen noch nicht möglich zu sein. Die Zeit wird kommen, wann der liebe Gott es will. Da der Papst dieser Angelegenheit höchste Bedeutung beimißt, können wir auch nicht ausschließen, daß es zu einer plötzlichen Lösung kommt.“ (Cor unum) 


40) Wie hat er einen derartigen Richtungswechsel gerechtfertigt? 

Indem er alle freundschaftlichen Warnungen in den Wind schlug und die Beschlüsse des Kapitels von 2006, an die er gebunden war, aufhob. 


41) Welche freundschaftlichen Warnungen meinen Sie?

Vor allem folgende: „In Richtung eines praktischen Abkommens vorgehen, würde bedeuten, daß wir unser Wort brechen und unsere Pflicht verletzen, die wir gegenüber unseren Priestern und unseren Gläubigen, gegenüber Rom und jedermann haben. Ein solcher Schritt würde eine schwerwiegende diplomatische Schwäche der Bruderschaft offenbaren und, um ehrlich zu sein, mehr als eine diplomatische Schwäche. Es wäre ein Mangel an Zusammenhalt, Rechtschaffenheit und Festigkeit, der den Verlust der Glaubwürdigkeit und der moralischen Autorität, deren wir uns erfreuen, nach sich ziehen würde. Wenn wir diesen Weg beschreiten, wird dies Mißtrauen und Spaltung zur Folge haben. Viele Obere und Priester werden in Gewissenszweifel gestürzt werden und Einspruch erheben. Die Autorität und das Prinzip der Autorität selbst werden in Frage gestellt und unterminiert. Infolgedessen ist dies nicht der richtige Zeitpunkt, den Beschluß des Kapitels von 2006 (kein praktisches Abkommen ohne Lösung der lehrmäßigen Frage) zu ändern.“ (Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011) 


42) Wie lautete der Beschluß des Kapitels von 2006? 

„Die Kontakte, die die Bruderschaft sporadisch mit den römischen Autoritäten unterhält, haben allein zum Ziel, ihnen zu helfen, sich die Tradition wieder zu eigen zu machen, die die Kirche nicht verleugnen kann, ohne ihre Identität zu verlieren, und nicht das Suchen eines Vorteils für die Bruderschaft selbst, oder ein unmögliches, rein praktisches 'Abkommen' zu erreichen. An dem Tag, an dem die Tradition alle ihre Rechte wiedererlangt, 'ist das Problem der Wiederversöhnung gegenstandlos und die Kirche wird eine neue Jugend finden.'“ (Cor unum, Okt. 2006) 


43) Was hielt Mgr Fellay von den Bedingungen des Kapitels von 2006?

„Das Kapitel von 2006 gab eine Linie vor, man kann sagen, eine klare, aber ich wage zu sagen, eine zu abstrakte. Sie ist klar, man sagt: die Gespräche mit Rom sind [dazu da], um ihnen zu helfen, die Tradition wiederzufinden; in diesen Gesprächen sucht man kein praktisches Abkommen. Wenn Rom zurückgekehrt sein wird, wird das kein Problem mehr sein. Wie soll man das beurteilen? Bis wohin wird das gehen? Ist das ganz oder teilweise? Auf welche Punkte bezogen?“ (Ecône, 7-9-2012) 


44) Was hat er aus diesen klaren Beschlüssen gemacht?

In Cor unum hat er sie im März 2012 offiziell auf den Müll geworfen. 


45) Wie das? 

Durch einen Trugschluß. 


46) Durch welchen? 

Durch folgenden: die angebliche „neue Lage“ erfordert eine neue „Richtung“; der Beschluß des Kapitels von 2006 ist kein „Prinzip“, sondern „eine Richtlinie, die unser konkretes Handeln regeln muß“. 

„Wir sehen uns hier einer Beweisführung gegenüber, deren wichtigste die Bestätigung des Prinzips des Primats des Glaubens ist, um katholisch zu bleiben. Die unbedeutendere ist eine historische Feststellung zum gegenwärtigen Zustand der Kirche, und der praktische Schluß wird von der Tugend der Klugheit inspiriert, die das menschliche Handeln bestimmt: kein Nachsuchen um ein praktisches Abkommen auf Kosten des Glaubens. Im Jahr 2006 ertönen noch immer die Häresien, die Autoritäten selbst verbreiten den modernen und modernistischen Geist des II. Vatikanums und zwingen ihn allen auf wie eine Dampfwalze (das ist die unbedeutendere). Unmöglich, ein Abkommen zu erreichen, bevor sie sich nicht bekehrt haben; wir würden zerrieben, auseinandergerissen, vernichtet oder so unter Druck gesetzt, daß wir nicht widerstehen könnten (das ist die Schlußfolgerung). Wenn die unbedeutendere sich änderte, das heißt, wenn es eine Änderung des Verhältnisses der Kirche zur Tradition gäbe, könnte das eine entsprechende Änderung der Schlußfolgerung erfordern, ohne daß sich deshalb unsere Prinzipien in irgendeiner Weise geändert hätten! Da die göttliche Vorsehung sich durch die gegebenen Tatsachen ausdrückt, müssen wir, um ihren Willen zu erkennen, genau verfolgen und beobachten, was sich in der Kirche tut. Nun gibt es aber keinen Zweifel daran, daß wir seit 2006 eine Entwicklung in der Kirche erleben, eine wichtige und sehr interessante Entwicklung, obwohl sie kaum sichtbar ist.“ (Mgr Fellay, Cor unum, März 2012) 


47) Wo liegt der Fehler in dieser Schlußfolgerung? 

In einer Blindheit, die sich weigert, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist: die Autoritäten verbreiten im Jahr 2012 immer noch den modernen und modernistischen Geist des II. Vatikanums! 

Für Kardinal Ratzinger „gibt es keine Tradition. Es gibt kein Vermächtnis, das weitergegeben werden muß. Die Tradition in der Kirche ist das, was der Papst heute sagt. Sie müssen sich dem unterwerfen, was der Papst und die Bischöfe heute sagen. Das ist in ihren Augen die Tradition, die berühmte lebendige Tradition, der einzige Grund für unsere Verurteilung. ... Das ist die Tyrannei der Autorität.“ (Mgr Lefebvre, zitiert von Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011) 


48) Gab es angesichts dieser Blindheit Reaktionen oder Einspruch? 

Ja, sehr gute Reaktionen. Wie Mgr de Galarreta vorausgesagt hatte, bekamen „viele Obere und Priester Gewissenszweifel“ und „ erhoben Einspruch“. Aber es gab nur wenige Reaktionen, denn „sieht man in der Bruderschaft nicht schon Symptome eines Nachlassens in der Glaubensverkündigung?“ (Mgrs Williamson, Tissier de Malleria, de Gallarreta, 7-4-2012) 


49) Wurde Mgr Fellay nicht in die Irre geführt durch „den Widerspruch, der in Rom herrscht“ (Mgr Fellay, Dici 264)?

Rom hat sich immer der gleichen Sprache bedient, die zwar falsch, aber klar und präzise ist. Der Generalobere hingegen hat sich die ganzen letzten Jahre hindurch in seinen offiziellen Communiqués und Pressemitteilungen einer zweideutigen und ungenauen Ausdrucksweise bedient.


50) Konnte man sich über die Absichten des Papstes nicht täuschen?

Nein!


51) Warum nicht?

Weil Benedikt XVI. am Mittwoch, den 20. April 2005, dem Tag nach seiner Wahl, vor 114 Kardinälen seine erste Botschaft an die Welt richtete. Darin lobte er Papst Johannes Paul II., „seine Lehre und sein Beispiel“:
„Papst Johannes Paul II. hat das II. Vatikanische Konzil zu Recht als einen 'Kompaß' bezeichnet, an dem wir uns im weiten Ozean des dritten Jahrtausend orientieren können. Deshalb will auch ich, während ich mich darauf vorbereite, mein Amt als Nachfolger Petri auszuüben, mit Nachdruck meinen festen Willen bekunden, der Aufgabe der Umsetzung des II. Vatikanischen Konzils, im Einklang mit meinen Vorgängern und in treuer Kontinuität mit der zweitausendjährigen Tradition der Kirche nachzukommen... Die Konzilsdokumente erweisen sich als besonders relevant angesichts der neuen Bedürfnisse der Kirche und der heutigen globalisierten Gesellschaft.“ (Osservatore Romano, 21-4-2005)


52) Was dachte Mgr Fellay von Benedikt XVI. zum Zeitpunkt seiner Wahl?

„Um unsere Auffassung ganz kurz in einem Bild zusammenzufassen: Wenn wir die Allegorie des freien Falls nehmen, um das Pontifikat Johannes Pauls II. zu kennzeichen, können wir vermuten, daß Benedikt XVI. versuchen wird, einen Fallschirm zu öffnen, dessen Größe wir noch nicht kennen. Der Fallschirm bewirkt, daß der Fall mehr oder weniger stark gebremst, die Richtung jedoch beibehalten wird; man fällt immer tiefer. Dadurch könnte sich manch einer täuschen lassen und glauben, daß der Zeitpunkt der Erneuerung der Kirche gekommen sei. Das ist jedoch nicht der Fall, es sei denn, es geschieht ein Wunder. Das II. Vatikanum sowie die großen Leitlinien der Kollegialität, des Ökumenismus und der Religionsfreiheit bleiben weiterhin die Norm, wobei vor allem der Ökumenismus mit den „Nächststehenden“, das heißt Orthodoxe, Anglikaner und Juden, mit Nachdruck betrieben wird. Was die Frage der Liturgie betrifft, müssen wir mit einer Stärkung der (Kommission) Ecclesia Dei und dem Versuch einer „Reform der Reform“ rechnen.“ (Cor unum, Juni 2005)


53) Und was dachte er im Jahr 2012, als man den 50. Jahrestag des Konzils feierte und den Gläubigen, die sich einen Vortrag über das II. Vatikanum anhörten, Ablässe gewährte?

„Wir können in der Haltung der Kirche eine Veränderung feststellen, die durch die Gesten und Maßnahmen Benedikts XVI. gegenüber der Tradition unterstützt wird... Der Vorrang des II. Vatikanums verliert an Bedeutung... In Rom habe ich bemerkt, daß die bis zum Überdruß wiederholte Glorifizierung des II. Vatikanums zwar noch in vieler Munde ist, aber nicht mehr in allen Köpfen.“ (Brief vom 14-4-2012)


54) Seien Sie doch ehrlich, an dieser Festellung ist etwas Wahres dran.

Wenig Wahres, das viel Falsches verbirgt. Mgr Lefebvre vergaß bei seiner Beurteilung nie das Wesentliche: die Prinzipien. In einem Interview mit der Zeitschrift Jesus erklärte Kardinal Ratzinger, daß „die Werte zweier Jahrhunderte liberaler Kultur“, die „außerhalb der Kircheentstanden seien, „in der Vision, die die Kirche von der Welt hat, Platz gefunden“ hätten. Da jedoch das Klima nicht mehr vom Optimismus der sechziger Jahre geprägt sei, müsse man „jetzt nach einem neuen Gleichgewicht suchen.“ Hierzu bemerkte Mgr Lefebvre:

„Eines ist klar: das sind die Menschenrechte, die Religionsfreiheit, der Ökumenismus. Das ist satanisch. Und der Kardinal sagt: 'Das ist eine vollendete Tatsache, jetzt muß man nach einem neuen Gleichgewicht suchen.' Er sagt nicht, man müsse die Prinzipien und Werte, die von der liberalen Kultur herrühren, beseitigen, sondern man müsse versuchen, ein neues Gleichgewicht zu finden. Dieses neue Gleichgewicht ist das des Opus Dei: ein äußerer Anschein von Traditionalismus, von Frömmigkeit, von religiöser Disziplin, gepaart mit liberalen Vorstellungen. Ein Kampf gegen die Menschenrechte, gegen den Ökumenismus oder gegen die Religionsfreiheit kommt nicht in Frage. Um dieses Gleichgewicht zu finden, müssen sie (das Opus die) daher die Theologie der Befreiung ein wenig kritisieren, desgleichen die französischen Bischöfe wegen des Katechismus; sie müssen denen, die sich wirklich nach der alten Messe sehnen, eine kleine Freude bereiten, das genügt. Sie geben sich letztlich den Anschein, zur Tradition zurückkehren zu wollen, aber sie haben nicht den Willen dazu. Wir müssen daher unsere Gläubigen warnen, damit sie sich nicht täuschen lassen, damit sie sich nicht gefangennehmen lassen von einem äußeren Anschein der traditionellen Reform, der sie aber zwangsläufig zur Annahme des Liberalismus und der liberalen Vorstellung führen würde.“ (Saint-Nicolas-du Chardonnet, 13-12-1984)


55) Mgr Fellay sagt, er habe sich im Papst getäuscht, weil er in Rom getäuscht wurde.

Sagen kann er das, aber nicht beweisen. Der Papst hatte Mgr Fellay und die Bruderschaft öffentlich gewarnt:

„So wird klar, daß die jetzt zu behandelten Probleme hauptsächlich lehrmäßiger Natur sind und es dabei vor allem um die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramtes der Päpste geht... Man kann die lehramtliche Autorität der Kirche nicht im Jahre 1962 einfrieren; das muß der Bruderschaft klar sein. Indessen müssen wir jene, die sich selbst zu großen Verteidigern des Konzils ernennen, daran erinnern, daß das II. Vatikanum die ganze doktrinale Geschichte der Kirche umfaßt. Wer dem Konzil Folge leisten will, muß den Glauben anerkennen, der im Laufe der Jahrhunderte verkündet wurde; er kann nicht die Wurzeln kappen, von denen der Baum lebt.“ (Benedikt XVI. zu den Bischöfen, 10-3-2009)


56) Vielleicht rühmt Benedikt XVI. das II. Vatikanum aus politischen Gründen, glaubt aber im Grunde selbst nicht daran, wie Mgr Fellay vor den in Flavigny versammelten Prioren vorgab, als es um die Seligsprechung Johannes Pauls II. ging? (13-2-2012)

Wenn Benedikt XVI. glaubt, was er sagt, ist er Modernist. Wenn er es nicht glaubt, ist er ein Heuchler. In beiden Fällen ist der Wille einer solchen Persönlichkeit nicht maßgebend. In beiden Fällen ist es zumindest unangebracht, zu sagen: „Zum Wohle der Bruderschaft würden wir bei weitem die derzeitige Zwischenlösung des Status quo vorziehen, aber offensichtlich nimmt Rom das nicht mehr hin.“ (Mgr Fellay, Brief vom 14-4-2012)


57) Sie sehen immer nur das, was uns spaltet und nie das, was uns eint. Benedikt XVI. verurteilt aber doch „die Hermeneutik des Bruches“!

Sie reden wie ein Neuling, der die modernistische Lehre überhaupt nicht kennt. Nach Ansicht der Modernisten ist alles lebendig, ist alles Geschichte. Alles ist historische, aber nicht lehrmäßige Kontinuität, denn ein Modernist glaubt, daß die Wahrheit sich entsprechend dem Leben der Kirche fortentwickelt.


58) Wurde Mgr Fellay vielleicht schlecht beraten?

In Menzingen sicher, aber nicht in der Bruderschaft. Höhere Obere, Bischöfe, befreundete Priester und Ordensobere haben Mgr Fellay gewarnt. Selbst in Rom haben ihm manche abgeraten, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Unter anderem der Hochwürdige Pater Ferre, der Sekretär von Kardinal Cañizares, und andere (Quelle: Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011)


59) Aber Mgr Fellay hat doch keinerlei Kompromiß mit Rom geschlossen und keinerlei Zugeständnis gemacht?

Es kann sein, es kann aber auch nicht sein. Es liegen uns noch nicht alle Dokumente vor; es wird sich in Zukunft zeigen. Mgr Fellay hat jedenfalls folgende merkwürdige vertrauliche Mitteilung gemacht: „Die Unterredung vom 13. Juni mit Kardinal Levada hat in der Tat bestätigt, daß der Vatikan“ uns „auf Basis meines Schreibens vom 14-4-2012 eine kanonische Lösung“ vorgeschlagen hat, bei der man gleichzeitig sagen muß, man sei einverstanden und man sei es nicht.“ „Mit diesem äußerst heiklen Schreiben schienen sowohl der Papst als auch die Kardinäle einverstanden zu sein.“ (Cor unum, Sommer 2012)


60) Darf ich Sie daran erinnern, daß Mgr Fellay am 13. Juni 2012 nichts unterschrieben hat?

„Wer eine Frau auch nur begehrlich anschaut, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ Man kann sehr gut in Gedanken oder Begierden geistigen Ehebruch begehen, ohne seine Schandtat ausgeführt zu haben.


61) Aber Sie beurteilen ja die Absicht.

Nein! Ich kann aber lesen. Mgr Fellay warf den Bischöfen der Bruderschaft ihre „zu menschliche und gar fatalistische“ Sicht der Kirche vor. (Brief vom 14-4-2012)

„Wir müssen anerkennen, daß uns alle Gesten der letzten Jahre unter der Leitung von Benedikt XVI. erwiesen wurden.“ (Das ist falsch, wie wir gesehen haben.)

„Aber sie geben eine Linie vor - keine ganz gerade – aber doch klar zugunsten der Tradition.“

(Das ist eine oberflächliche Behauptung, weil sie materialistisch und subjektivistisch ist und daher objektiv und formal falsch.)

„Man verwandelt die Konzilsirrtümer in Superhäresien, das wird zum absolut Bösen, schlimmer als alles andere... Das ist schlimm, weil diese Karrikatur nicht mehr der Realität enspricht.“ (Man fragt sich, ob Mgr Fellay den Kampf Mgr Lefebvres überhaupt verstanden hat, der sagte: „Die Antworten Roms auf unsere Einwände versuchten zu beweisen, daß es keinen Wechsel gab, sondern daß die Tradition fortbestand. Diese Behauptungen sind schlimmer als die der Konzilserklärung über die Religionsfreiheit. Das ist die wahre offizielle Lüge. Wir können uns nicht mehr verstehen, man (Rom) befindet sich in einer ständigen Weiterentwicklung. Wir können nicht mehr [miteinander] reden.“ (Mgr Lefebvre, zitiert von Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011)

„Das wird logischerweise in Zukunft in einem wahren Schisma enden.“ (Hier haben wir es mit einem weiteren unaufrichtigen Sophismus zu tun, der an das Gefühl appeliert und nicht auf nüchterner Überlegung beruht. In einem Brief, den Mgr Lefebvre 1989 an Mgr de Galarreta richtete, schrieb er: „Wir sollten das Vorgehen des Dämons zur Schwächung oder Vernichtung unseres Werkes einer Untersuchung unterziehen. Die erste Versuchung besteht darin, gute Beziehungen zum Papst oder den derzeitigen Bischöfen zu unterhalten. Selbstverständlich ist es eher üblich, mit den Autoritäten mit Einklang zu leben als mit ihnen im Streit zu liegen. Man wird die Bruderschaft dann anklagen, die Irrtümer des II. Vatikanischen Konzils übertrieben darzustellen, übermäßige Kritik an den Schriften und Maßnahmen des Papstes und der Bischöfe zu üben, sich mit übertriebener Strenge an den traditionellen Ritus zu klammern, zum Sektierertum zu tendieren, der sie eines Tages zum Schisma führen wird. Sobald das Wort Schisma einmal gefallen ist, wird man es als Schreckensbild verwenden, um den Seminaristen und den Familien Angst einzuflößen, damit sie die Bruderschaft umso leichteren Herzens verlassen, als Priester, Bischöfe und selbst Rom Garantien für eine gewisse Tradition bieten.“)

„Und vielleicht ist diese Tatsache eines der Argumente, die mich drängen, nicht länger zu warten, um den dringenden Bitten Roms nachzukommen. Derartig, daß wir in der entscheidenden Frage, der Möglichkeit, zu den Bedingungen einer Anerkennung der Bruderschaft durch Rom zu überleben, nicht zur gleichen Schlußfolgerung gelangen wie Sie.“ (Klarer kann man sich nicht ausdrücken.)


62) Aber dieser private Brief war doch nicht zur Veröffentlichung gedacht.

Ja und? Hat jemand das Recht, privat eine Blasphemie auszusprechen, wenn er darauf verzichtet, es öffentlich zu tun? Hört eine böse Absicht deswegen auf, böse zu sein?


63) Menzingen behauptete, daß der für diese Indiskretion Verantwortliche „schwer gesündigt“ hätte.

Wir glauben ganz im Gegenteil, daß er nichts weiter getan hat als seine Pflicht. Wenn der Führer den Kopf verliert, muß das Korps das wissen. Und wenn es Sünde war: O felix culpa, die die Gedanken der Herzen emporgehoben hat.


64) Das sind schlimme Vorgänge, für die wir unwiderlegbare Beweise brauchen.

Es liegen uns genügend Aussagen von Mgr Fellay vor, die sein inneres Denken offenbaren.


65) Welche Aussagen?

An dem „Text, den man ihm im Juni vorlegte“, gab es Änderungen, die der Papst persönlich gewollt hatte (die drei Bedingungen: Lehramt, II. Vatikanum, die Messe Pauls VI.). „Als man mir dieses Dokument vorlegte, habe ich gesagt: 'Nein, ich unterschreibe nicht, die Bruderschaft unterschreibt das nicht.'“ (Mgr Fellay, 1-11-2012, Dici 264)


66) Wodurch wird diese Verteidigung Mgr Fellays zum Urteil?

Wenn diese Änderungen Mgr Fellay bewogen haben, nicht zu unterschreiben, dann heißt das doch, daß es an jenem Tag tatsächlich etwas zu unterschreiben gab. Zu sagen: „Nein, ich unterschreibe nicht“, schließt doch unausgesprochen die andere Möglichkeit ein: „Ja, ich unterschreibe“.

Und in diesem Fall, das heißt ohne die päpstlichen Änderungen, was konnte er da, im Namen der Bruderschaft, anderes unterschreiben als ein praktisches Abkommen ohne lehrmäßiges Abkommen?

Und dies gegen den Willen den Kapitels von 2006 und ohne Zusammenkunft eines außerordentlichen Kapitels.


67) Ohne diese lehrmäßigen Erläuterungen, die der Papst hinzugefügt hat, wäre es also zum Anschluß gekommen?

Alles deutet darauf hin; und es wird durch mehrere Indiskretionen der Generalassistenten Pfluger und Nély bestätigt.


68) Mgr Fellay ist aber doch kein Modernist.

Natürlich nicht. Das hat auch nie jemand geglaubt. Aber Cardinal Billot hat gelehrt, daß der Liberale „ein zusammenhangslos denkender Mensch ist, einer, der ja sagt, der nein sagt, der es nicht genau weiß, der sich nie klar ausdrückt, der immer zweideutig redet, und dies alles, um der Welt zu gefallen“. Wer zum liberalen Denken neigt, ist daher anfällig für die Versuchung eines Anschlusses an Rom, bevor es sich bekehrt hat. Darin besteht die Gefahr: in einem Willen zum Ausgleich, nicht in einer direkten und theoretischen Anerkennung des II. Vatikanums. Die Gefahr besteht in dieser liberalen Illusion, die in der Praxis einen modus vivendi mit dem konziliaren System sucht.


69) Warum haben sich Mgr Fellay und sein Generalrat aller diese Doppeldeutigkeiten bedient? Warum waren sie derart unvorsichtig bis hin zum Ungehorsam? Warum haben sie es mit dieser derart gefährlichen und selbstmörderischen Politik versucht?

Weil Mgr Fellay und seine Umgebung im Grunde genommen eher zur Ekklesiologie Benedikts XVI. neigen als zu der Mgr Lefebvres.


70) Welcher Art ist diese Ekklesiologie Benedikts XVI.?

Es ist die Kardinal Ratzingers, der bereits 1988 „auf der einen Kirche, derjenigen des II. Vatikanums beharrt“ hatte. (Mgr Lefebvre, Ecône, 19-6-1988)


71) Hatte Mgr Lefebvre denn nicht vor dieser falschen Ekklesiologie gewarnt?

Selbstverständlich! „Kardinal Ratzinger hat uns wer weiß wie oft darauf hingewiesen: 'Es gibt nur eine Kirche!... Es darf keine Parallelkirche geben!' Also ist diese Kirche natürlich die konziliare Kirche. Wenn man dann zu ihm von der Tradition spricht, antwortet Kardinal Ratzinger:
„Aber das Konzil ist die Tradion von heute. Sie müssen sich der Tradition der heutigen Kirche anschließen, nicht der vergangenen. Schließen Sie sich der Kirche von heute an!'“ Und Mgr Lefebvre kommentierte: „Man spürte das sehr gut in seinen Überlegungen: es braucht vielleicht ein paar Jahre, aber man wird die Bruderschaft zum Geist des Konzils hinführen müssen...“ (Ecône 9-6-1988)


72) Glaubt Mgr Fellay denn auch, daß es nur eine konkrete Kirche gibt?

Ja, und das verkündet er auch! „Daß wir uns nach Rom begeben, heißt nicht, daß wir mit ihnen einer Meinung sind. Aber das ist die Kirche. Und es ist die wahre Kirche. Auch wenn man das verwirft, was nicht stimmt, so darf man doch nicht alles verwerfen. Sie bleibt die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“ (Flavigny, 2-9-2012) Diese Vorstellung ist jedoch ein Trugschluß, denn Rom hat den Glauben verloren. Wenn man heute von der Kirche redet, darf man etwas derart Wichtiges nicht einfach beiseite lassen. Die Tatsachen - der Glaubensverlust an der Spitze der Kirche - bleiben bestehen, auch wenn sie auf dem Geheimnis des Bösen beruhen.


73) Steht das wirklich im Widerspruch zum Denken Mgr Lefebvres?

Selbstverständlich. „Die sichtbare Kirche erkennt man an den Zeichen, die sie von jeher als Merkmale ihrer Sichtbarkeit festgelegt hat: Sie ist einig, heilig, katholisch und apostolisch. Ich frage Sie: Wo finden sich die wahren Merkmale der Kirche? Eher in der Amtskirche (es handelt sich nicht um die sichtbare Kirche, es handelt sich um die Amtskirche) oder bei uns, in dem, was wir verkörpern, was wir sind? Es steht fest, daß wir diejenigen sind, die die Einheit des Glaubens bewahren, die aus der Amtskirche verschwunden ist. Diese Merkmale finden sich nicht mehr bei den anderen... Nicht wir verlassen die Kirche, sondern die Modernisten. Wer sagt 'die sichtbare Kirche verlassen', der irrt, indem er Amtskirche und sichtbare Kirche gleichsetzt. Wir gehören sehr wohl zur sichtbaren Kirche, zur Gemeinschaft der Gläubigen unter der Autorität des Papstes, denn wir lehnen nicht die Autorität des Papstes ab, sondern das, was er tut... Verlassen wir demnach die Amtskirche? In gewisser Weise ja, ganz offensichtlich.“ (Ecône, 9-9-1988)


74) Mgr Lefebvre begab sich aber auch nach Rom.

Gewiß, aber mit einem ganz bestimmten und nicht verhandelbaren Ziel: „Ich höre sie sagen: 'Sie übertreiben! Es gibt immer mehr gute Bischöfe, die beten, die den Glauben haben, die tugendhaft sind...' Selbst wenn sie Heilige wären, sobald sie die falsche Religionsfreiheit anerkennen, d. h. den laizistischen Staat, den falschen Ökumenismus, d. h. die Zulassung mehrerer Heilswege, die Liturgiereform , d. h. praktisch die Verneinung der Opfermesse, sobald sie die neuen Katechismen mit all ihren Irrtümern und Häresien einführen, tragen sie offiziell zur Revolution in der Kirche und zu ihrer Zerstörung bei... Nur eines ist notwendig, damit die katholische Kirche fortbesteht: Bischöfe, die ganz katholisch sind, die keinerlei Kompromiß mit dem Irrtum eingehen, die katholische Seminare gründen...“. (Mgr Lefebvre, Geistlicher Wegweiser)


75) Woher rührt der Begriff „konziliare Kirche“?

Dieser Begriff entstammt einem Schreiben von Mgr Benelli an Mgr Lefebvre (25-6-1976). Und angefangen mit Paul VI. (Konsistorium vom 24-5-1976), für den jene „außerhalb der Kirche stehen“, die die „Lehren des Konzils ablehnen“, über Johannes Paul II. (Sacrae Disciplinae Leges, 25-1-1983) der „im Kirchenrecht ein großes Bemühen“ sieht, „die Doktrin der konziliaren Ekklesiologie... die die grundlegende Neuheit des II. Vatikanischen Konzils in der Kontinuität mit der gesetzgebenden Tradition der Kirche bildet, in die kanonische Sprache zu übertragen“ bis hin zu Benedikt XVI. gibt es eine vollkommene, wenn auch frevelhafte (inique) Kontinuität.


76) Seit wann ist Mgr Fellay dieser Ansicht?

Seit mehreren Jahren. „Die Gleichsetzung von offizieller Kirche (Amtskirche) und modernistischer Kirche ist ein Fehler, weil wir von einer konkreten Wirklichkeit sprechen.“ (Mgr Fellay, Flavigny, 16-2-2009)


77) Hat man ihn auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht?

Selbstverständlich. Anläßlich eines Priestertreffens bat ein Theologe und ehemaliger Seminarlehrer den Generaloberen, diese Doppeldeutigkeit bezüglich der Kirche - katholisch oder konziliar? - aufzuheben. Er bekam zur Antwort: „Ich bin diesen Streit um Worte leid.“


78) Diese Antwort ist in der Tat überraschend.

Mehr als überraschend! Sie ist beklagenswert. Vierzig Jahre theologischer Kampf um die Orthodoxie oder Heterodoxie der Worte, damit man das von einem Nachfolger Mgr Lefebvres zu hören bekommt! Mgr Lefebvre, der ein Jahr nach den Bischofsweihen in einem Interview bekannte:

„Was Dom Gérard und M. Madiran zur sichtbaren Kirche sagen, ist kindisch. Es ist unglaublich, daß man von der sichtbaren Kirche sprechen kann, wenn man die Konzilskirche meint, im Gegensatz zur katholischen Kirche, die wir vertreten und fortsetzen wollen. Ich sage nicht, daß wir die katholische Kirche sind. Das habe ich nie gesagt. Aber wir vertreten wirklich die katholische Kirche so, wie sie früher war, denn wir setzen fort, was sie immer getan hat... Selbstverständlich sind wir gegen die konziliare Kirche, die praktisch schismatisch ist, auch wenn sie das nicht gelten lassen will. In der Praxis ist es möglicherweise eine exkommunizierte Kirche, weil sie modernistisch ist.“


79) Deshalb vermeiden es Menzingen und seine Presseorgane (DICI...), Begriffe wie „konziliare Kirche“, „Kirche des II. Vatikanums“ ... zu verwenden.

Gewiß. Noch mehr Anlaß zur Sorge ist aber, daß das Kapitel von 2012 weder die Worte der Grundsatzerklärung vom 21. November 1974 wiederholen wollte: „Wir lehnen es ab und haben es immer abgelehnt, dem Rom der neomodernistischen und neoprotestantischen Tendenz zu folgen, die klar im II. Vatikanischen Konzil und nach dem Konzil in allen Reformen, die daraus hervorgingen, zum Durchbruch kam“, noch die Worte des offenen Briefes an Kardinal Gantin: „Wir wollten nie zu diesem Apparat gehören, der sich selbst als konziliare Kirche bezeichnet und sich durch den Novus Ordo Missae, den indifferentistischen Ökumenismus und die Laisierung der ganzen Gesellschaft qualifiziert. Nein, wir haben keinerlei Anteil, nullam partem habemus, an dem Pantheon der Assisi-Religionen. Wir lassen uns gern exkommunizieren...“


80) Gefährdet es denn nicht den Glauben, wenn man von einer neuen Kirche spricht?

Das ist nicht gefährlich, sondern notwendig, denn es entspricht der Realität!

„Eine neue Kirche ist entstanden... sie sind besessen von der Treue zum II.Vatikanischen Konzil, das für sie die neue Kirche ist; es ist die konziliare Kirche mit ihren Sakramenten, ihrem Glauben, ihrem Kultus und ihren Katechismen, und das alles ist schrecklich, einfach schrecklich. Dem können wir uns nicht unterwerfen, das ist unmöglich... Was soll ich also fordern, soll ich von meinen Seminaristen verlangen, daß sie einen Eid auf die konziliare Kirche ablegen? Das geht nicht. Nein, nein, jetzt ist klar, daß wir es mit einer neuen Kirche zu tun haben, mit einer zwölf Jahre alten Kirche.“ (Cospec, 33B, 1976)


81) Die konziliare Kirche ist jetzt 50 Jahre alt. Im Grunde hat sich doch nichts geändert?

Doch, es hat sich etwas geändert. Heute will Mgr Fellay, Generaloberer der von Mgr Lefebvre gegründeten Bruderschaft, den katholischen Gläubigen weismachen, daß diese 50jährige konziliare Kirche die gleiche ist wie die katholische Kirche, während sie doch die Verfälschung dieser katholischen Kirche ist. 


82) Ist das unannehmbar für Sie?

Nicht für mich, sondern in sich. So wie es für all jene unannehmbar war, die 1988 bei den Bischofsweihen dabei waren und dem Anathema, das Mgr Lefebvre dem Konzilsgeist entgegenschleuderte, Beifall gezollt haben:

„Was ist aber diese Wahrheit für sie, wenn nicht die Wahrheit des II. Vatikanischen Konzils, die Wahrheit dieser konziliaren Kirche? Das ist ganz klar. Folglich ist es auch klar, daß für den Vatikan die einzige Wahrheit, die heute existiert, die konziliare Wahrheit ist, „der Geist des Konzils“. Das ist der Geist von Assisi. Das ist heute die Wahrheit! Und das wollen wir nicht um alles in der Welt, nicht um alles in der Welt! (langer und starker Beifall) (Mgr Lefebvre, 30-6-1988)


83) Nach Ihrer Auffassung muß man also weder Rom noch Benedikt XVI. schonen?

Nicht nach meiner, sondern nach der Mgr Lefebvres, der ich zustimme. Nach seiner Auffassung „gibt man den Glaubenskampf praktisch auf“, wenn man aufhört „Rom anzugreifen“. (Fideliter, zitiert von Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011)

84) Nun gut, wenn die Oberen der Bruderschaft der Lage nicht mehr gewachsen sind, so unternimmt doch Rom wenigstens nichts mehr nach der Niederlage, die es erlitten hat und nach der Ablehnung eines Abkommens durch die Bruderschaft?

Rom mag eine Schlacht verloren haben, aber nicht den Krieg. „Falls sie uns den Rücken kehren, wäre eine Pause in der ständigen Spannung, die diese Kontakte für die Bruderschaft bedeuten, sehr willkommen und in meinen Augen eine Fügung. Jedenfalls werden sie, wie ich sie kenne, nicht lange zögern, bis sie uns wieder ansprechen.“ (Mgr de Galarreta, Albano, 7-10-2011)


85) Stimmt das?

Ja, tatsächlich hat es nicht lange gedauert. Im Dezember 2012 richtete Mgr di Noia ein Schreiben an alle Mitglieder der Bruderschaft im Hinblick auf die „Wiederversöhnung“. Hierzu müssen „die offensichtlich unüberwindlichen Unstimmigkeiten hinsichtlich Autorität und Interpretation des Konzils transzendiert“ werden, um „die Einheit wirklich zu wünschen“. Er forderte uns auf, „den Eifer unseres Gründers“ nicht aufzugeben. Demnach müssen wir aufhören, „die anderen in der Kirche öffentlich zu kritisieren“ und uns nicht „den Auftrag des Papstes anmaßen“. Dann wird „das echte Charisma der Bruderschaft“, das „darin besteht, Priester heranzubilden“, der Kirche von Nutzen sein. Wir müssen unser „Streben nach Unabhängigkeit“ aufgeben und „nach einer Wiederversöhnung suchen“. Er behauptete, „die Zukunft der Priesterbruderschaft St. Pius X. bestünde einzig auf dem Weg einer vollen Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl...“


86) Was ist davon zu halten?

„Das II. Vatikanum ist die politische Entthronung unseres Herrn Jesus Christus und das Leugnen Seiner Rechte über die Gesellschaften. Das II. Vatikanum ist ein unendlicher Schaden und ein Skandal für die Seelen dieser Gesellschaften, die den Irrtum und das Laster fördern und die Hölle füllen, und die man sinnentstellend „andere Religionen“ nennt. Das II. Vatikanum ist der Triumph des Demokratismus in der Kirche, der jede Autorität trügerisch und jedes Gebot fast unmöglich macht, der die Verbreitung der Häresie und des Schismas erlaubt. Das II. Vatikanum ist in Wahrheit die größte Katastrophe, die sich in der Kirche je ereignet hat... Um sich davon zu erholen, muß sie sich davon lösen. Die Bruderschaft kann in keiner Weise den großen Kampf der Glaubensverkündigung aufgeben, der das Anprangern des Irrtums zwangsläufig einschließt. Sie muß demütig und respektvoll, aber kühn und furchtlos bleiben, um weiterhin alles zu sagen, was sie sagen muß, um alles zu bekennen, was sie bekennen muß und um alles anzuprangern, was sie anprangern muß. (Pater de Cacqueray, Suresnes, 31-12-2008) 


87) Da Mgr Fellay ja dreimal erklärt hat, daß er nicht unterschreiben kann, warum behauptet Rom dann, es erwarte immer noch seine Antwort und warum gibt es der Bruderschaft noch Zeit?

Weil Mgr Fellay aufgrund seiner falschen Ekklesiologie und seines fortwährenden Versuchs eines Anschlusses an Rom, sich weigert, Benedikt XVI. öffentlich als Verbreiter von Irrtümern anzuprangern. Er beharrt auf Dokumenten Mgr Lefebvres von 1987, die besagten: „Wir sind einverstanden, wenn der Papst uns so anerkennt, wie wir sind, und wir sind bereit, an der Erneuerung der Kirche mitzuarbeiten; den Bruch mit dem Nachfolger Petri haben wir nie gewollt...“ (Schreiben an Kardinal Gagnon vom 21-11-1987). Er weigert sich, den Sinneswandel Mgr Lefebvres nach 1988 zu sehen, der selbst sagte, er sei in seinen Beziehungen zu Rom zu weit gegangen.


88) Die Bedingung, an die Mgr Fellay sich klammert: „daß wir so anerkannt werden, wie wird sind“, ist demnach doppelsinnig?

Ja, weil sie mit der „Hermeneutik der Kontinuität“ vereinbar ist und weil dieser Begriff in den Bereich des Ökumenismus fällt, da er in einer einzigen kirchlichen Struktur Wahrheit und Irrtum miteinander verbindet.


89) Wann wird die Krise der Bruderschaft überwunden sein?

Die Krise wird überwunden sein, wenn Menzingen


- mit seinen doppeldeutigen Aussagen aufhört,

- die Dinge bei ihrem Namen nennt; wenn es einen Modernisten einen Modernisten nennt, auch wenn es der Papst sein sollte; wenn es eine praktisch schismatische konzialiare Kirche als solche bezeichnet, auch wenn sie das Tragen der Soutane und den „außerordentlichen“ Ritus fördert,

- sich entschließt, die von Mgr Lefebvre gestellten Bedingungen öffentlich zu fordern.


90) Um zum Schluß zu kommen, „was wird Rom tun? Die Exkommunikation aussprechen... die Dinge so lassen, wie sie sind... oder die Lage entschärfen?“ (Mgr Fellay, Ecône, 7-9-2012)

Mgr Fellay hat selbst die Antwort gegeben: „Ich würde sagen: machen Sie sich ein bißchen auf alles gefaßt.“


91) Was bedeutet das?

Das heißt, daß wir aus der Zone der lehrmäßigen Turbulenz noch nicht heraus sind. Die Aussagen Mgr Fellays zu dem Zeitpunkt, da man es unternimmt, Paul VI. selig zu sprechen, beweisen es:

„Schauen Sie, es ist doch interessant, wer sich in dieser Zeit unserer Anerkennung am meisten widersetzt: die Feinde der Kirche. Ich kann sagen, daß wir dieses Argument in Rom benutzen werden, um sie zum Nachdenken zu bringen...Ich habe absolut keine Ahnung, wann ein Abkommen geschlossen werden kann, und die Bezeichnung „Abkommen“ ist nicht angemessen; es wird eine „Anerkennung/Normalisierung sein“... Trotz allem, was nicht in Ordnung ist, gibt es Hoffnung und ich bin in dieser Situation optimistisch... Ich sage, daß es beim Betrachten der Lage der Kirche immer noch Winter ist, daß man aber bereits die ersten Anzeichen des Frühlings sieht.“ (New Hamburg, 28-12-2012)


92) Was sollen wir tun?

Dem Rat eines Mitbruders folgen: wenn (das Flugzeug) in eine Turbulenzzone gerät, fordert man uns auf, den „Sicherheitsgurt zu befestigen“, aber nicht „ihn zuzuschnallen“. (Le Chardonnet, Juli-August 2012)


93) Sie sind pessimistisch.

Nein, realistisch. Unser Oberer sieht den Teufel überall in der Bruderschaft am Werk, außer in Menzingen. Er ist unfähig, sich selbst in Frage zu stellen. Ein Mitbruder, der die ungerechten Maßnahmen des Generalhauses aufzählte (Einschüchterungen, Verweise, Versetzungen, Aufschub von Priesterweihen, Ausschluß von Priestern und eines unserer Bischöfe) hat es sehr schön ausgedrückt:

„Letzten Endes haben sie eine wahre Diktatur in der Bruderschaft errichtet. Sie haben sich wissentlich über die Warnungen kluger Personen hinweggesetzt, die ihnen von einem praktischen Abkommen mit dem modernistischen Rom abrieten. Sie haben der Einheit und dem Gemeinwohl der Bruderschaft Schaden zugefügt, indem sie sie der Gefahr eines Kompromisses mit den Feinden der Kirche aussetzten. Und sie widersprechen sich schließlich selbst, wenn sie das Gegenteil dessen beteuern, was sie noch vor wenigen Jahren gesagt haben. Sie haben das Erbe Mgr Lefebvres verschleudert, ihre Amtspflichten verletzt und das Vertrauen Tausender mißbraucht, ja selbst das Vertrauen derer, die ihnen weiterhin vertrauen, obwohl sie von ihnen getäuscht wurden. Sie haben sich fest entschlossen gezeigt, die Bruderschaft zu einem Abkommen mit unseren Feinden zu führen, koste es, was es wolle. Es ist kaum von Bedeutung, daß das Abkommen mit der konziliaren Kirche noch nicht geschlossen ist oder ob es weder in naher Zukunft noch jemals geschlossen wird... die Bruderschaft befindet sich nach wie vor in großer Gefahr, da ihre Obereren die falschen Prinzipien, von denen sie sich bei ihren zerstörerischen Machenschaften leiten ließen, nicht aufgegeben haben...“ (Pater Ortiz, Dezember 2012) 


94) Ist das Ihr letztes Wort?

Nein. Ehre, wem Ehre gebührt. Ich überlasse das letzte Wort unserem Generaloberen, trotz allem, was er sich hat zuschulden kommen lassen.

„Wir müssen damit rechnen, daß Rom versuchen wird, uns dem universalistischen Gemisch einzuverleiben, in welchem man uns einen Platz „unter den anderen“ anbieten würde, etwa so, wie man bereits jetzt die Orthodoxen zur Schwesterkirche erklärt. Man kann wohl annehmen, daß die Versuchung, in die „offizielle Kirche“ einzutreten, groß sein mag, entsprechend den Angeboten, die das ökumenistische Rom uns machen kann. Wenn wir uns dann weigern, dieses Verwirrspiel mitzumachen, werden wir als die häßlichen Bösen gelten. Dies ist jedoch vorerst nur eine Vermutung...“ (Mgr Fellay, Cor unum, März 1995)